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12.11.2017 bloody monday oder auf Irrwegen in Irland
 
ungekürzter und unzensurierter Tagebucheintrag vom 25.09.2017
 
Es scheint ein schöner Tag zu werden. Die Sonne drückt schon durch und am Hungry Hill hängen nur ein paar Nebelfetzen. Z’Morgen und Toilette für Mann und Haus und dann kann’s auf grosse Fahrt gehen Richtung Allihies. Unterwegs kommt uns eine Gruppe Wanderer entgegen, die wahrscheinlich zum Hungry Hill abzweigt. Kurz entschlossen fragen wir einen älteren Herrn nach dem Weg zum Hungry Hill. Drive all the way beyond there houses and there you’ll find a parking lot! Der Weg wird immer schmäler und schliesslich kommt uns eine Lady entgegen und mahnt uns zur Umkehr. Park your car down by the mainroad. Gesagt, getan. Husch husch den Rucksack gepackt, die Wanderschuhe geschnürt und… die Wanderstöcke nehmen wir auch mit, oder?  Und ab geht’s -  wo habe ich jetzt den Autoschlüssel? Oh nein, mir schwahnt… den habe ich Idiot doch tatsächlich hinten in der Garage eingeschlossen! Bloody idiot! Zum Glück haben wir einen eti-Schutzbrief. Anruf zurück in die Schweiz.
 
Zwischenzeitlich kann ich ja mal schauen, ob es nicht doch ein Weg von innen zur Garage gibt. Beim Abmontieren des Lättlirostes knackst eine Latte unter meinem hastigen Gefummel, so nicht. Kurze Zeit später erhalten wir einen Anruf von der irischen Gesellschaft. Nun geht’s ans Warten. Hungry Hill adee, bei schönstem Wetter! Gut, vertreiben wir uns die Zeit mit Alphornblasen. Nach einer Weile kommt die Lady vom Einkauf zurück und sieht uns immer noch rumstehn. Aren’t you going to the mountain? Doch, doch… die Schlüssel! Sie kennt einen Mann der alles kann. I’ll give him a ring. Er kommt und sieht die Beschehrung. Ohne Gewalt ist nichts zu machen. No worries, the car breakdown assistance is coming soon. Nur weiss der aufgebotene Garagist nicht, wo wir uns versteckt haben. Eine weitere lady, die gerade am Stromzähler ablesen ist und den dude vorbeifahren sah, beamt uns den Typen per Handy zurück. Is it a left or right handed car? Left, but the real problem is in the back! I’ve got a knife and a few old keys… Die rostigen Schlüssel passen natürlich nicht. I can’t help you, the only way is to call a locksmith in Cork, but that will cost you a lot of money. It’s ok, we’ll get the handyman. Is he a man with grey hair, about the size of you? Yes. I know him and give him a call! Also kommt der handyman wieder zum Einsatz. Nun geht’s mit Brachialgewalt ans Eingemachte von kleiner Onkel. I’ll drill a hole! Der Bohrer verabschiedet sich auch gleich in den Stauraum, um dem Schlüssel Gesellschaft zu leisten. The rest will do the zigsaw… Mit einem Magnetstab können wir schliesslich den Schlüssel bergen. Allgemeines Smiling. André, der Züzimann von der ersten lady ist nun auch auf Platz, um zu sehen wie’s den Schweizer Schlüsseltechnikern geht. Alles ok. Mit einem dicken Schmatz auf die Backe der verdutzten Barbara verabschiedet sich der handyman mit einem 20 Euroschein von uns in der Tasche. Thank you so much! André nimmt uns mit zum Trailhead und wir starten doch noch zu unserer Wanderung auf den Hungry Hill, mit ca. 3 Stunden Verspätung.
 
Ein kleines Seelein, Schafe, grüne Weiden und gelbe Büsche – nur noch schnell ein Foto von dem Hügel dort! Beim Zurückhüpfen auf den Weg passiert’s: den rechten Fuss übertreten und knacks! Nein, nein nicht schlimm, geht schon – ich will jetzt auf diesen verdammten Hungry Hill. Für Schweizer peanuts meinte André. Der Weg verliert sich bald in den Büschen und im Sumpf. Macht nichts, der Gipfel ist immer oben. Auf dem weiteren Weg scheisse ich mir erst noch ein gewaltiges Pfund Frust aus dem Hintern. Erleichtert geht’s dann dem erweiterten Gipfelplateau entgegen. Barbara’s Sorgenfalten werden beinahe so tief wie die Furchen im Berg. Ich lasse mir meine Sorgen nicht anmerken. Panik auf dem Berg ist ein schlechter Ratgeber. Die Nebelfetzen auf dem Gipfel verdichten sich zu einer grauen Milchsuppe. Banane und Riegel schnell hinuntergeschlungen, Gipfelfoto und nichts wie weg von hier, so lange noch eine Spur von Sicht besteht. Es sieht alles gleich aus und von Weg keine Spur! Zum Glück hat Manitou heute für einmal ein Nachsehen mit uns und bläst die Nebelschwaden weg. So huschen wir über Felshürden und Moorpfützen wieder dem Tal entgegen, nicht ganz auf der Aufstiegsroute zwar, aber Hauptsache unten… huch.
 
Jetzt kann ich es ja Barbara gestehn: mir gefiehl es überhaupt nicht oben auf dem Gipfel und ich sah vor meinem geistigen Auge schon die Schlagzeile in der Zeitung. Wie blöd muss man denn sein. Erst die TCS-Assitance wegen eingeschlossener Schlüssel, um gleich darauf kopflos im Nebel in unwegsames Gelände zu stürmen und vom Rettungsdienst geborgen werden zu müssen. Zum Glück dann doch nicht! Bei der Fahrt Richtung Allihies winkt uns der garageman kurz hinter Castletownbere – alles ok! Im engen Kurvengeschlängel lassen wir unseren Wahnsinnstag nochmals Revue passieren. Bei der Ballydonegan Beach finden wir einen schönen Stellplatz. Die 15 Euro für Nichts fassen wir als Schmerzensgeld für den Angel im Finger des Caretakers auf. Ende gut, Haldengut – ach nein, Franziskaner Weissbier. PROST!
 
PS: Das Sprungelenk ist in der Folge dann doch noch etwas angeschwollen. So habe ich jetzt noch ein kleines Souvenir von unserer Irlandreise! ;-)