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 20.05.2017 Löwenzahn alias Schwiibluämä

 
Woher kommt wohl der Name Löwenzahn? Nun, rein bildlich könnte ich mir vorstellen, dass die gelbe Blühte der Löwenmähne entspricht, und die gezahnten Blätter ergeben den Zahn. Wir sagen ja etwas profaner Schwiibluämä. Wohl einfach, weil die Schweine die Blätter sehr gerne fressen. Obwohl, dem Kraut sagen wir ja Chüngelichrut – und schon haben wir den Salat!
 
A propos, die noch jungen Triebe kann man sehr gut als Salat geniessen, ähnlich wie Nüsslisalat. Wie damals in Fribourg, als ich für das zweite Propä am Lernen war, und meine Schlummermutter Mathilde zwei ewig blökende Schafe angeschafft hatte. So habe ich am Morgen als erstes mit der Sense ein Maul voll für die beiden Nervensägen gemäht, um etwas Ruhe zu haben. Am Nachmittag hat mich dann Mathilde in die Dents de lion geschickt, für den abendlichen Blattsalat! Damals wusste ich noch nicht, dass es auch noch einen weniger vornehmen Ausdruck dafür gibt – pissenlit, entspricht dem deutschen Bettseicher – diesen hat die gute alte Mathilde natürlich nie verwendet.

Daheim hat meine Mutter jeweils Schwiibluämähung gemacht, eine willkommene Abwechslung zum ganzwinterlichen schwarzen oder roten Holderhung (Hung = Konfitüre, Anm. der Red.) Für die Veredelung durch die Bienen hatte mein Vater keine Zeit. Er hatte ja zwar einen Schwarm – einen Schwarm Kinder! Auf dem Schulweg oder Sonntagsspaziergang haben wir Gügeli aus den Stengeln gebastelt und mit den Bienen um die Wette gesummt, bis der bittere Saft in den Mund gelangte – pfui deibel! Das gibt scheinbar Gelbsucht, oder war dies dann doch von den ausgedrückten Blühtenköpfen?

Und später im Frühling haben wir mit den Pusteblumen Himmel und Hölle oder Engel und Teufel gespielt, je nachdem, ob schwarze Punkte zum Vorschein kamen, nachdem wir mit heftigem Pusten die Sämlinge (botanisch: Fruchtstand) ins Weite geschickt hatten. Gut, mit nur einem Pünktchen konnte man noch ins Fegefeuer gelangen. Was für unverdorbene Kinderspiele…
Heute haben die Pusteblumen auch wieder Hochkonjunktur: auf Postern – sorry, wallpapern -  oder Tatoos. Allerdings, ganz im Gegensatz zu den Sämlingen, die vom Winde verweht werden, ist das Tatoo dann doch hartnäckiger und wetterfest.

Item, ich freue mich jeden Frühling von Neuem auf das Blühtengold der Schwiibluämä!