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29.04.2017: Fieber- und andere Blasen

Heute morgen bin ich erwacht mit diesem bekannten Ziehen und Brennen in der Oberlippe. Vor dem Spiegel  bestätigt sich dann die Befürchtung: Fieberbläschen im Anmarsch; Herpes labialis im Fachjargon. Während des Medizinstudiums lernten wir: einmal Herpes – immer Herpes.

Ich kann mich gut erinnern, schon meine Mutter hatte immer wieder diese lästigen Dinger. Sie kommen immer zur Unzeit: machen beim ersten schüchternen Schätzeln (Neudeutsch: date) in der Pubertät eine grosse Lippe, obwohl einem gar nicht nach grosser Lippe zumute ist; nach einem Skitourenwochenende grüssen sie am Montagmorgen am Arbeitsplatz, oder wollen sich in den Ferien am Meer aufblasen. Sie machen sich bemerkbar bei Prüfungen oder anderen wichtigen Ereignissen wie anno dannzumal auf der Musikreise der Burgmusik und aktuell gutes Timing bei Alphornauftritten. Und wie es sich gehört, habe ich diese Blasenkrankheit auch meinen Töchtern mit auf ihren Lebensweg gegeben. Ich hoffe jedoch, es sei nicht die einzige bleibende Erinnerung.

Im Volksmund Fieberbläschen ist gleich auch schon der Hinweis auf einen möglichen Auslöser enthalten: Fieber im eigentlichen und übertragenen Sinne wie Lampen- oder Reisefieber. Auch die fiebrige Weltwirtschaft bekommt ihre Blasen – die eher unrühmlichen Kapital- und Immobilienblasen. Beinahe jede Blase platzt früher oder später – ein Selbstheilungsprozess.

Da halte ich mich lieber an die natürlichen Blasen: zum Beispiel Thermikblasen – das unbeschreibliche Gefühl von so einer Blase beim Gleitschirmfliegen in ein „oberes Stockwerk“ getragen zu werden; eine unverfälschte kindliche Freude wie damals beim Seifenblöterlen. Auch die Marschblasen auf Ski-und Wandertouren nehme ich gerne in Kauf für ein unvergessliches Erlebnis. Brandblasen hingegen sind höchst unangenehm, weil durchwegs mit negativem Erlebnis gekoppelt.

So blatert und blubbert das Leben munter vor sich hin – und ich muss jetzt aufhören, da der Druck auf meiner Blase langsam unangenehm wird…