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14.05.2020: Kontrastprogramm oder Leben in und mit der Coronakrise
 
In Zeiten von Corona habe ich mehr denn je Zeit zum Nachdenken. Auferlegte Ruhepause.

Das Jahr beginnt mit einem einschleichenden Winter, schön häppchenweise mit gerade noch rechtzeitiger «Blühte» zum Skitourenwochenende in San Bernardino. Mal pulvrig weich, mal windgepresst hart, aber immer gut fahrbar. Dann lassen wir den Winter links liegen, packen unsere Koffer und stossen auf dem Flughafen Zürich mit einem Coronabier auf unsere bevorstehende Reise nach Neuseeland an. Damals schmeckte das Corona gar nicht bitter. Erst ein dünner, kaum wahrnehmbarer dunkler Streifen zeichnet sich ab am Horizont.

Christchurch mit den kaum übersehbaren Folgen des verheerenden Erdbebens von 2011 bildet den Startpunkt unserer Traumreise - dazwischen sich wechselnde Landschaften, mal üppig grün regenwaldbuschmässig, mal staubig trocken, belämmert, aber immer mit  der erfrischenden Meercorona in Tagesreichweite – um im betörend bettonig, lärmigen, zum Himmel hochschreienden äh hochsteigenden, chinaimmigrantenüberfluteten Auckland zu enden - Sinnbild für den ungebrochenen Drang des immer höher, schneller, weiter und vermeindlich besser.

Mit der Ankunft in Zürich erwartet uns nicht ein erfrischendes Corona-Bier, sondern ein unerwarteter, bitter süss-sauer schmeckender Corona-Logdown.  Mit traum- und schlaftrunkenem Neuseelandhirn pendle ich die nächsten Wochen zwischen Vilters und Zürich, einerseits die wohltuende Ruhe im Zug geniessend und zum Fotosortieren nutzend, andererseits mich in einem falschen Film wähnend und von der multimedialen Coronanachrichtenflut erschlagen wundernd, was da eigentlich abgeht.

Linderung bringt der unglaublich blumige, saftig grüne, die Lungen frei durchatmen lassende Frühling, wie ihn eben nur Mutter Natur uns bieten kann. Als Kontrast dazu das motorsägenlärmige und staubige Atelier, welches nichts desto trotz auch Coronablühten treiben kann und mich dazu ermahnt, jetzt erst recht meine Energie in sinnvolle und sinnbringende Tätigkeiten zu investieren.